Wie gesund ist Gehen wirklich?

Fachartikel von Robert Riedl

Die WHO definiert Gesundheit als einen "Zustand des vollständigen körperlichen, mentalen und sozialen Wohlergehens". Um körperlich, seelisch und geistig vitaler zu werden, empfiehlt die Gesundheitsweltorganisation täglich 10.000 Schritte zu machen. Das entspricht einer Gehstrecke von etwa sechs bis sieben Kilometern. Wer 75 Minuten pro Woche geht, erhöht seine Lebenserwartung bereits um zwei Jahre. Jeder Schritt mehr ist ein zusätzlicher Gewinn.

Personen, die ab dem 65. Lebensjahr jeden Tag etwa 10.000 Schritte gehen, sterben nach zwölf Jahren nur halb so oft wie Gleichaltrige, die kaum oder gar nicht zu Fuß unterwegs sind. Man lebt aber bereits deutlich gesünder, wenn man an drei Tagen pro Woche eine halbe Stunde geht und etwa 5.000 Schritte zurücklegt. Dabei sollte man eher flott gehen, um ein wenig außer Atem und leicht ins Schwitzen zu kommen.

10 gute Gründe fürs Gehen:

  1. Gehen stärkt Herz- und Kreislaufsystem, verbessert die Herzgesundheit, senkt Bluthochdruck, reguliert den Puls und verlängert das Leben
  2. Gehen verringert den Zuckergehalt im Blut und das Diabetes-Risiko, drosselt die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse, verbessert die Blutwerte, normalisiert die Blutfettwerte sowie den Hormonhaushalt und optimiert den Lymphfluss in allen Körperregionen
  3. Gehen stärkt das Immunsystem und erhöht unsere Selbstheilungskräfte
  4. Gehen fördert Ausdauer, Gelenkigkeit sowie Koordinationsfähigkeit, trainiert den Gleichgewichtssinn, fördert unsere Konzentration, erhöht die Sauerstoffaufnahme, stärkt die Lunge und hilft gegen Asthma und Lungenkrankheiten
  5. Gehen kräftigt die Muskulatur und Knochendichte, macht Gelenke belastbarer, massiert Rücken und Bandscheiben, kann Gelenk- und Rückenschmerzen lindern, bremst den Muskelschwund und reduziert die Osteoporose-Gefahr
  6. Gehen kurbelt den Stoffwechsel an, hilft beim Abnehmen und gegen Heißhunger auf Süßes, entsäuert den Körper, aktiviert das Zwerchfell und die Bauchmuskulatur, unterstützt die Verdauung und verbessert die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten
  7. Gehen baut Spannungen ab, lindert Stress und Müdigkeit schon nach zehn Minuten, regt die Ausschüttung von Glückshormonen (wie Endorphin und Serotonin) an, macht enthusiastisch sowie entspannt und reduziert Depressionen sowie Angstzustände
  8. Gehen reduziert das Risiko für grünen Star
  9. Gehen halbiert das Alzheimer-Risiko und beugt Altersdemenz vor
  10. Gehen senkt das Risiko für viele Krebsarten

Untersuchungen zeigen leider, dass Menschen auch in Österreich immer weniger gehen und kürzere Wege zu Fuß zurücklegen. Körperliche Untätigkeit ist eine Hauptursache für viele Krankheiten und einer geringeren Lebenserwartung. Auch für manche psychische Störungen stellt Bewegungsmangel einen Risikofaktor dar. So sollen Depressionen in direkten Zusammenhang mit Bewegungsmangel stehen. Alles Lebendige scheint in Bewegung. Überspitzt könnte man sagen: was sich nicht bewegt, ist tot.

Gesund ist Gehen im Freien genauso wie auf dem Laufband. Es fördert die Gesundheit, ob wir nun in der Ebene, bergauf oder bergab gehen, ob man Treppen und Stockwerke hinauf- oder hinuntergeht. Je länger man unterwegs ist, desto besser wirken sich die Vorteile des Gehens aus. Besonders stärkt es die eigene Waden-, Schienbein- und Oberschenkelmuskulatur. Dabei wirkt sich die Natur besonders positiv und beruhigend auf unsere Psyche aus. Der grüne Farbstoff des Chlorophylls in Pflanzen macht uns sozusagen gelassener und glücklicher. Ein Waldspaziergang bietet sogar einen ähnlich großen gesundheitlichen Nutzen wie schweißtreibender Sport. Man vermutet, dass dabei sogenannte Phytonzyden eine Rolle spielen. Bäume bilden sie, um sich vor Schädlingen zu schützen. Im Wald atmen wir diese Substanzen ein. Damit stärken wir das eigene Immunsystem, sodass sich unsere Selbstheilungskräfte erhöhen.

Angesichts der von der WHO empfohlenen 10.000 Schritte pro Tag dauert Psychotherapie pro Termin zumindest eine Stunde und 15 Minuten (2 Therapie-Einheiten zu je 50 Minuten). Aber auch hier gilt: je länger man unterwegs ist, desto besser wirkt sich das Gehen auf die eigene seelische und körperliche Gesundheit aus!

Übrigens: im Durchschnitt kommen Österreicher täglich auf 1.000 Schritte.



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