Depressionen und Burnout "ver-gehen"

Fachartikel von Robert Riedl

Der Großteil der Personen, die einen Psychotherapeuten aufsuchen, leidet unter depressiven Verstimmungen. Sie fühlen sich freudlos, unmotiviert und dauerhaft erschöpft. Wer regelmäßig in die Natur geht, kann nicht nur gezielt seine Gefühlsstimmung heben. Auch die Schlafqualität, das Selbstvertrauen und der eigene Selbstwert verbessern sich. Der positive Einfluss von Bewegung und Psychotherapie auf unsere Seele sind gut erforscht. Psychotherapie im Gehen nützt diesen Doppeleffekt.

Laut einer Prognose der WHO wird die Depression (lateinisch: "Niedergedrücktheit") in wenigen Jahren die zweithäufigste Erkrankung der Welt sein. In Österreich sind mehr als 600.000 Menschen betroffen. Depressionen sind damit die häufigste seelische Ursache für Krankenstände. Bereits in jeder zweiten Firma soll es Mitarbeiter geben, die vom Arbeitsalltag überfordert sind, sich ausgebrannt und dauernd erschöpft fühlen.

Man spricht dabei von der sogenannten Erschöpfungsdepression, im fortgeschrittenen Stadium auch "Burnout" genannt. Aber: nur wer für etwas brennt, kann ausbrennen. Dabei gibt es wenig Unterschiede zwischen einem Manager oder einer alleinerziehenden Mutter: man hat alles gegeben und ist an die eigenen Grenzen gekommen! Einige, die an Burnout, Erschöpfungszuständen oder depressiven Zuständen leiden, können die täglichen Anforderungen nur noch mit Aufputschmitteln (z. B. durch übermäßigen Konsum von Kaffee, Energydrinks, Alkohol) oder der Einnahme von Schlafmitteln und Beruhigungspillen bewältigen. Kennzeichnend für ein Burnout und Depressionen sind vor allem der Verlust von Lebensfreude, Interessenlosigkeit und weniger Leistungsfähigkeit. Man wird zunehmend von einem Gefühl der Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und Leere beherrscht.

Depressionen sollen in direkten Zusammenhang mit Bewegungsmangel stehen. Es ist nachgewiesen, dass regelmäßiges Gehen das Auftreten von Depressionen, Ängstlichkeit und Stress verringern. Gefühle der Hoffnungslosigkeit und sogar Suizidgedanken können sprichwörtlich vergehen, wenn man in die freie Natur geht. Wenn wir gehen, setzt das zentrale Nervensystem sogenannte Neurotransmitter frei. Diese Botenstoffe im Gehirn verbessern unsere Denkleistung und Kreativität, das Kurzzeitgedächtnis und unsere Fähigkeit Probleme zu lösen. Gehen erhöht nachweislich auch die Ausschüttung von Serotonin und Endorphin. Diese Hormone sind für unser Wohlergehen zuständig. Sie wirken gegen Stress und stärken unsere seelische Balance. Serotonin lindert auch Symptome der Depression. Gehen macht uns enthusiastisch, lindert Stress und Müdigkeit schon nach zehn Minuten und entspannt. Im Gehen nimmt der Sauerstoffgehalt im Blut zu, wovon das Gehirn und alle Organe profitieren. Gehen an sich hat also bereits einen therapeutischen Effekt. Eine Studie mit schwer depressiven Menschen ergab eine deutliche Besserung der Symptome, nachdem sie täglich fünf Mal vom Erdgeschoss in den fünften Stock gingen. Körperliche Bewegung soll ähnliche Effekte aufweisen wie eine medikamentöse Therapie – sowohl bei Depressionen wie auch bei Ängsten.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an einer Depression zu erkranken, liegt bei etwa 15 Prozent. Jedoch können sich depressive Erkrankungen bei Frauen und Männern unterschiedlich bemerkbar machen: während Frauen eher über Antriebslosigkeit und Müdigkeit klagen, brausen Männer eher auf oder verhalten sich aggressiv. Statistisch gesehen leiden Männer zwar seltener unter Depessionen (Frauen werden doppelt so häufig als depressiv diagnostiziert als Männer), die Suizidrate unter ihnen ist aber dreimal so hoch. Selbstmord kann als etremste Form einer Aggression gegen sich selbst gesehen werden. Überspitzt könnte man für unsere Leistungsgesellschaft feststellen: Männer wirken weniger depressiv – sie bringen sich höchstens um!

Häufig können Menschen mit depressiven Verstimmungen nicht mehr gut schlafen. Psychischer Leidensdruck aktiviert nämlich Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol, die wichtige Schlafhormone blockieren können. Körperliche Beschwerden kommen oft hinzu: wie Nackenverspannungen oder Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen. Auch belastende Lebensereignisse können Depressionen auslösen, wie ein schwerer Unfall oder der Tod einer nahestehenden Person. Außerdem kann es organische Ursachen geben (z. B. eine Schilddrüsenunterfunktion) oder eine genetische Veranlagung (Hinweise dafür sind z. B. Suizide in der Herkunftsfamilie).

Bei depressiven Leidenszuständen kommt es oft zu einer Verringerung des eigenen Selbstwerts bzw. des Wertes, den man sich selbst im Vergleich zu anderen beimisst. Fachlich versteht man unter dem Begriff "Selbstwert" eine individuelle Bewertung der eigenen Person. Wir bewerten dabei eigene Fähigkeiten, individuelle Stärken und Schwächen, persönliche Erfolge und Misserfolge. Ein instabiles Selbstwertgefühl wirkt sich auf viele unserer täglichen Aktivitäten aus. Es bestimmt etwa, was wir sagen, wie wir uns verhalten oder wofür wir uns anstrengen. Und auch darauf, wie wir uns bewegen und sprichwörtlich durchs Leben gehen.

Depressionen belasten nicht nur Betroffene, sondern auch Beziehungen und Familien. Insbesondere Kinder von depressiven Eltern leiden. Partnerschaften und Freundschaften können sogar in die Brüche gehen, weil sich die Angehörigen hilflos oder zurückgestoßen fühlen. Es kann zu unlösbaren Spannungen, Konfliken oder vermehrten Alkoholkonsum kommen – ein Teufelskreislauf: mehr und mehr ist man durch die depressive Dynamik überzeugt, nutzlos, wertlos und allein gelassen zu sein. Man fühlt sich schuldig, klagt sich für die eigene Situation an und sorgt sich, alles zu verlieren. In einer fortgeschrittenen depressiven Phase ist kaum mehr möglich, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dabei lassen sich Burnout und Depressionen sehr gut psychotherapeutisch behandeln. Da depressive Erkrankungen zu Veränderungen im körpereigenen Hormonhaushalt führen können, könnte auch eine zusätzliche medikamentöse Unterstützung (z. B. durch Antidepressiva) sinnvoll sein – etwa um depressionsabhängige Schlafstörungen rascher in den Griff zu bekommen.

Psychotherapie im Gehen wirkt sich besonders positiv und beruhigend auf unsere Psyche aus. Körper und Seele werden wieder in Balance gebracht. In der physischen und psychischen Bewegung kann man sich wohlwollender mit sich selber und belastenden Themen auseinandersetzen. Durch das äußere Voranschreiten schreitet auch in uns etwas voran. Neue Gedanken und Perspektiven werden möglich. Denken und Gehen lassen sich gut miteinander verknüpfen. Die frische Luft hilft uns den Geist zu klären, um klarere Entscheidungen treffen zu können. Die Natur stärkt das Intuitive und Imaginative. Es wird leichter, die depressive Dynamik aus Gefühlen, Gedanken und körperlichen Beschwerden zu durchbrechen. Hoffnung und Zuversicht werden wieder erlebbar. Geschehenes, Lebenswünsche und Zukunftsvorstellungen können neu bewertet werden. Klienten lernen, wie man Signale einer bevorstehenden Depression frühzeitig erkennen kann, um bewusst entgegenzusteuern zu können.

Die Therapie achtet auch auf eine bewusste Gestaltung von hilfreichen Beziehungen – vor allem in stärker depressiven Phasen. Im psychotherapeutischen Gehen wird man nach außen sowie in der Innenschau achtsamer. Psychotherapie im Gehen wirkt wie ein Antidepressivum. Wir fühlen uns mit der Natur verbunden und kommen damit besser mit der Außenwelt in Kontakt. In der menschlichen Evolutionsgeschichte ist unsere Beziehung zur Natur neben der Herkunftsfamilie wohl die elementarste. Wer dieses Band dauerhaft durchtrennt, leidet öfter an psychischen Störungen.




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Film-Dokumentation: Burnout (ca. 50 Minuten)


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